Projektidee / -ziel
Ziel war es, den Gemüsegarten durch die Mithilfe vor Ort von KEYA im Mai 2009 anzupflanzen, der Familie das
nötige Wissen zu vermitteln sowie alle notwendigen Mittel dank Spendeneinnahmen von rund $ 3'000.00 für das
Anlegen des Gartens zu beschaffen. Die Weiterpflege und Ernte sollte durch die Familie Yellow Bull getätigt sowie
eine Rapportierung über den jeweiligen Stand des Gartens an KEYA übermittelt werden.



Planung / Vorbereitung
Im Oktober 2008 starteten wir mit der Planung des Gemüsegartens. Gleichzeitig war dies der Beginn der Sammlung
von Spendengeldern, mit dem Zielbetrag von $ 3'000.00 für den Start. Dank vielen grosszügigen Spendern aus der
Schweiz und Deutschland, insbesondere der Unterstützung durch die Schulklasse von Fritz Christen aus Serneus,
welche durch den Verkauf von selber gemachten Lakota-Schlüsselanhängern den grössten Teil des Betrags
zusammenbrachte, konnten die $ 3'000.00 bereits im April 2009 für das Projekt bereitgestellt werden.

Die Familie Yellow Bull wurde im Oktober 2008 über das Anlegen eines Komposts, die Durchführung einer
Bodenanalyse, der Prüfung der Wasserverfügbarkeit, des Besorgens von Arbeitsmaterial informiert und beauftragt.
Nach dem letzten Schnee sollte sie den verarbeiteten Kompost in den Boden ihres Feldes einarbeiten, um dieses
für das Wachstum vorzubereiten. Im April sollte sie die ersten Setzlinge und Samen kaufen. Die Samen sollte sie in
kleinen Gefässen anziehen, um dann die Jungpflanzen im Mai, nach der Gefahr des letzten Frosts, auspflanzen zu
können.



Anlegen des Gemüsegartens
Als ich am 24. Mai 2009 bei der Familie Yellow Bull im Pine Ridge Reservat eintraf, fiel mir die grosse Armut auf, und
zwischen der Familie und mir lag ein Graben von Befremdung. Zwei ganz unterschiedliche Welten trafen
aufeinander, das gegenseitige Vertrauen musste erst auf beiden Seiten aufgebaut werden.
Der sandige Boden des Feldes war unbearbeitet, erodiert und wies wenig Nährstoffe vor. Zwei Jahre zuvor wurden
in den zwei grossen Feldern von einer Fläche von rund 4'000 m2  im Rahmen eines Projekts Sonnenblumen
angepflanzt, danach lag das Feld brach. Als erstes bearbei¬teten wir den ausgetrockneten und „ausgehungerten“
Boden mit Kompost, den wir von einem Verwandten der Familie beziehen konnten. Dann wurden gekauft: Mulche,
Erde als Zusatz. Setzlinge: Zwiebeln, Kartoffeln, Gurken, Zucchini, Kürbisse, Melonen, Tomaten, Peperoni,
Blumenkohl, Swiss Chard, Auberginen. Samen: Mais, Radieschen, Kürbisse, Bohnen. Wasserschläuche,
Wasserbrause, Öl und Benzin für Wasserpumpe, Arbeitshandschuhe, Nadelbaumäste für die Abdeckung des
Greenhouse, Wassersprinkler, organisches Schädlingsbekämpfungsmittel, Holz für den Bau eines Greenhouse,
fehlende Teile für Wasserpumpe, Schnur.


Bereits nach der 1. Woche, welche mit angenehmen Temperaturen – es war eher kühl und regnerisch –
aufwartete, waren 2'100 m2 Fläche Boden, also rund die Hälfte der gesamten verfügbaren Fläche mit Kompost
bearbeitet und mit verschiedenen Kulturen bepflanzt.
Das 2. Feld von derselben Grösse wurde noch nicht bepflanzt.


Erste Schädlinge wie Kartoffelkäfer, Raupen, Heuschrecken und Ameisen konnten mit einem organischen Mittel
vertrieben werden. In der 2. Woche dominierten Hitze, sturmartige Winde, Trockenheit und Gewitter mit heftigem
Regen. Die Wasserpumpe musste repariert werden. Zudem wurden besorgt: Kartoffelsäcke, Plastiktonnen, Dünger
eines Landwirts, Minipflug, Garette (mit plattem Pneu), Hacken, Schaufeln, Rechen. Das Greenhouse wurde
rudimentär aus Drahtgitter, Holzstangen und Nadelbaumästen gebaut. Es sollte vor allem den Strauchgewächsen
wie Tomate, Paprika, Bohnen dienen.


Mit zunehmender Hitze zog sich die Familie Yellow Bull vom Gemüsefeld zurück. Die meiste Arbeit in der 2. Woche
wurde durch mich verrichtet. Das Wetter war bis dahin ideal und bot die besten Voraussetzungen für ein perfektes
und rasches Wachstum. Als für die
3. Woche Regen und Kälte vorausgesagt wurden und meine Kräfte langsam schwanden, entschied ich mich, den
Garten für ein paar Tage der Familie Yellow Bull und ihrer Obhut zu überlassen. Es herrschten während rund sieben
Tagen Dauerregen und nur rund 6 – 12 °C, was für die Pflanzen aber kein Problem darstellte. Nach meiner
Rückkehr zu Beginn der
4. Woche waren die Kartoffeln, der Mais, die Radieschen und Zwiebeln bereits gesund
und kräftig aus dem Boden gewachsen. Der starke Regen und die nachfolgende Sonne boten wiederum die besten
Voraussetzungen für ein gutes und rasches Wachstum.
Von den ausgesetzten Pflanzen hatte sich vor allem der Swiss Chard gut gehalten. Der Blumenkohl war stark von
Schädlingen befallen worden. Melonen, Kürbisse, Zucchini und Gurken wurden ebenfalls wiederum von Schädlingen
befallen, trotz der Behandlung mit dem organischen Mittel. Die im Greenhouse gut geschützten Tomaten, Peperoni
und Auberginen wuchsen ausgezeichnet und trugen bereits Blüten.

Die Bewässerung der rund 2'100 m2  grossen Fläche mit den Wasserschläuchen erwies sich als sehr aufwendig.
Das Bewässerungssystem – von der Quelle über den Schlauch, in den Wassertank, über die Wasserpumpe, in den
Schlauch und dann aufs Feld bedarf einer Optimierung. Das gesamte Feld müsste mit Tropfschläuchen verlegt
werden.



Erfolgreiche Ernte
Gemäss Bericht von der Familie Yellow Bull konnte Delores Yellow Bull am 21. Juli bereits Zwiebeln und Swiss Chard
ernten, welche sie zum Abendessen für die Familie verarbeitete. Am 30. Juli wurde es wieder kalt, der Frost blieb
aber fern. Auch der gefürchtete Hagel blieb glücklicherweise die ganze Zeit über aus, und es konnte mit dem
Anlegen eines eigenen Komposts begonnen werden.



Schlussfolgerung
Trotz all der harten Stunden im Feld war es eine super Zeit. Ich habe tiefstes Verständnis für diese Familie und
wünsche mir für sie, dass sie ihren Weg findet. Obwohl der Anbau des Gemüses nun doch Erfolg zeigt, bin ich mir
bezüglich der langfristigen Umsetzung eines solchen Projekts auf diese Art und in der gegebenen Umgebung nicht
sicher. Die äusseren schwierigen Bedingungen wie Wetter, Schädlinge, Bodenbeschaffenheit sind erschwerend und
sprechen eher gegen den Anbau von Gemüse im offenen Feld. Wohl gibt es auch Kulturen, die besser gedeihen
und weniger Schädlings anfällig sind als andere. Insbesondere schien mir die exponierte Lage des Feldes nicht
besonders geeignet. Hier müssten vermehrt Gewächshäuser zum Einsatz kommen, die Schutz vor äusseren
Einflüssen und mehr Kontrolle bieten können.

Geeignet wäre der Anbau von Gemüse im Reservat insbesondere in Zusammenarbeit mit Farmern vor Ort und in
geschützten Gewächshäusern. Der Aufwand und das Risiko lassen sich so minimieren und kontrollieren. Die Lakota
könnten das Gemüse anschliessend zu erschwinglichen Preisen im Reservat verkaufen, so dass die Bevölkerung für
eine Peperoni keine exorbitanten $ 2.40 bezahlen müsste, was sich dort kaum jemand leisten kann. Lakota Führer
könnten mit Weissen kooperieren. Sinn machen würden auch Gemeinschaftsgärten, die von Lakota gepflegt
werden. Auswärtige Unterstützung kann ihnen in Form von Wissen vermittelt werden, doch die Vorbilder sollten
aus ihren eigenen Reihen stammen.

Die Lakota scheinen mir keine sehr passionierten Gärtner zu sein. Die Unterstützung von aussen für ein Projekt in
einem anderen Bereich würde ihrer Kultur vermutlich eher entsprechen. Trotz Hilfe von aussen wünschen sie keine
Bevormundung, sondern suchen nach ihren eigenen Wegen. Welche ihre Wege sein werden, wird sich zeigen. Auf
alle Fälle werden Vorreiter aus den eigenen Reihen nötig sein, welche andere inspirieren und motivieren, ihre
Zukunft selber in die Hand zu nehmen.

Von der U.S. Regierung müssen für eine langfristig gute Entwicklung im Reservat die Grundinfra¬strukturen wie
Strom, fliessendes sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen, lebensmögliche Behausungen bereitgestellt werden.
Zudem müssen Strukturen, Systeme und Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit staatlicher Subvention alleine lassen
sich die Lebensumstände und Probleme dieses Volkes und ihres Landes nicht lösen. Die Armut
kann nur durch die kombinierte Kraft von innen und aussen besiegt werden. Für die Lakota gilt: sie sollten nach
ihrem inneren Wesen leben und alte Werte mit dem neuen Modernen kombinieren. „The answer is theirs.“ Und der
Spagat zwischen Tradition und Moderne kann für sie lebenswert werden.
„We preferred our own way of living. We were no expense to the government.
All we wanted was peace and to be left alone.” Crazy Horse, Oglala Lakota, 1877

Wir sind gespannt, wie die Familie Yellow Bull ihren Gemüsegarten weiterhin pflegt und hoffen auf gute Ernte.

Wir danken allen Spendern ganz herzlich für die grosszügige Unterstützung, welche die Umsetzung dieses
Projektes erst ermöglichte und dieser Familie zu einem neuen Weg für
ihr Leben verhilft.


Wir unterstützen auch andere Projekte wie:

  • Foodprojekt „Share“ von One Spirit (Essen- und andere Lieferungen für den Alltag)
  • Verbesserung der Lebensstandards von Familien durch den Verkauf von deren Kunsthandwerk auf unserer
    Website und in ausgewählten Fachgeschäften
  • Kinder-Patenschaften – im Aufbau
  • Kili Radio – der einzige und wichtige Radiosender im Reservat
  • Initiativen für den Schutz des heiligen Gebetsbergs Bear Butte in Sturgis, S.D.
  • Horsemanship Organisation – Förderung der Zusammenarbeit von Kind und Pferd




Ganz herzlichen Dank!                Pilamaya ye!

Sabrina                   
KEYA-Gemüsegartenprojekt im Pine Ridge
Reservat
Familie Yellow Bull, Horn Cloud Place
R e v i v e  t h e  L a k o t a   W a y   O f   L i f e
D i e   L a k o t a   K u l t u r   w i e d e r b e l e b e n   
Herbst 2008 – Sommer 2009


Situation / Ausgangslage
Die einst stolzen und starken Lakota Indianer haben durch die über ein
Jahrhundert dauernde Unterdrückung und das Verbot ihrer traditionellen
Lebensweise durch die Weissen ihre Lebenskraft verloren. Heute dominieren
Arbeitslosigkeit, massiv verkürzte Lebenserwartung, Alkoholismus, Diabetes und
Armut. Die staatliche Abhängigkeit ist gross, Arbeit gibt es kaum. Im Pine Ridge
Reservat, im US-Staat South Dakota fehlt es an Perspektiven und einem
Minimum an Lebenskomfort. Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit machen sich
breit. Die entwurzelten Lakota wissen nicht, wohin sie gehen sollen und wohin
sie gehören. Es scheint, als würden sie sich nicht bewegen, weder physisch
noch mental, doch blitzt ab und zu Aktivität dazwischen auf.
Es gibt Lichtblicke, doch wie können es die Lakota schaffen, aus den kleinen
Funken Licht ein neues helles Feuer zu entfachen, das ihnen ihre Lebenskraft
zurückbringt? Sie leben im Spagat zwischen Tradition und Moderne. Alte Werte
finden sich in modernen Hüllen wieder. Ihre Sprache, ihre Lieder, ihre Tänze und
Rituale, die Fertigkeit für ihre Kunsthandwerke – all dies haben sie noch nicht
ganz verloren. Doch wenn sich die Lakota für ein selbstständiges, gutes Leben
entscheiden wollen, dann müssen sie es heute tun!
Hilfe zur Selbsthilfe ist für die Lakota ein möglicher Weg, aus der Misere des
tristen Alltags Hoffnung und Farben zu schöpfen. Eine gesunde Ernährung ist die
Basis für ein gutes Leben. Die Familie Yellow Bull aus Pine Ridge war bereit, es
ihren Vorfahren gleichzutun, welche auf ihren Feldern auf dem Horn Cloud Place
Mais und Gemüse zur Selbstversorgung anpflanzten. Ihr Grossvater war Chief
Charles  Red Cloud, welcher dem Red Cloud Clan, benannt nach dem berühmten
Chief Red Cloud, entstammte. Saphira Iroegbu lernte die Familie Yellow Bull im
Frühling 2008 anlässlich des Crazy Horse Memorial Ritts kennen.

Die inzwischen 10-köpfige Familie wünschte sich, sich mit gesundem und
frischem Gemüse vom eigenen Feld ernähren und dadurch ihre staatliche
Abhängigkeit reduzieren zu können. Uns, Saphira Iroegbu und Sabrina
Steinmetz von KEYA, erschien die Hilfe zur Selbsthilfe sehr sinnvoll und
angebracht im Hinblick auf die vorhandene Erfahrung der Familie im Rahmen
solcher Projekte sowie ihrer Bereitschaft, sich für einen eigenen Gemüsegarten
zu engagieren.